RC2-Fenster: Was gehört zu einer sicheren Ausstattung?

Sie möchten Ihre Fenster vor Einbrechern schützen und das möglichst wirkungsvoll? Dann folgen Sie der Empfehlung der Polizei und statten Sie Ihre Fenster gemäß der RC2-Vorgaben aus.

rc2-fenster

Dafür steht RC2 – die Merkmale zusammengefasst

RC2 steht für Resistance Class 2. Sie stellt eine der 7 Widerstandsklassen für Fenster und Türen gegenüber Einbruchsversuchen dar.

Die technische Ausstattung gemäß Widerstandsklasse RC2, welche die Polizei für den privaten Gebrauch empfiehlt, beinhaltet folgende Bestandteile:

  • umlaufende Pilzkopfzapfenbeschläge, oder noch hochwertigere Rollenpilzkopfbolzen
  • abschließbare Fenstergriffe und
  • durchwurfhemmendes P4A-Sicherheitsglas  

So wird auf unterschiedliche Schutzmaßnahmen gesetzt, die alle ihren Teil dazu beitragen vor Einbruchsversuchen – aufhebeln, aufbrechen, etc. – zu schützen. Der Einbruch wird dem Dieb erschwert und aufgrund des Zeitaufwands unattraktiv.

Darüber hinaus gibt es noch weitere einbruchhemmende Ausstattungen. Erfahrene Langfinger bohren oftmals den Fensterrahmen unter dem Griff auf, um Zugriff auf das Getriebe zu erhalten. Hier hilft der Anbohrschutz für Griffgetriebe, das vor dieser in jüngster Zeit immer populärer werdenden Einbruchsart schützt. Diese und alle weiteren Ausstattungen, die Fenster einbruchhemmend machen, sind in der Norm für RC2 jedoch nicht vorgeschrieben.

Brauchen Fenster ein RC2-Zertifikat?

Allzu verständlich: Als Fensterbesitzer horcht man auf, wenn die Polizei einen bestimmten Fensterschutz – nämlich Fenster mit RC2 Ausstattung – empfiehlt. Endlich ein Richtwert, der Einbruchschutz garantiert. Nun muss man nur noch RC2-zertifizierte Fenster aussuchen, oder? Ganz so einfach ist es leider nicht, denn Sie werden schnell merken, dass Ihre Auswahl dadurch stark eingeschränkt wird. Warum ist das so?

Für ein RC2-Zertifikat brauchen Fenster nicht nur die notwendigen technischen Ausstattungen, welche die Voraussetzung für diese Widerstandsklasse erfüllen, sondern müssen auch im Prüflabor getestet sein.

Das heißt, dass ein Fenster mit den von Ihnen gewünschten Designmerkmalen in einer Standardgröße gebaut werden und bei einer unabhängigen Prüfstelle alle RC2-Anforderungen unter realen Bedingungen bestehen muss. Erst dann bekommt dieser Fenster-Typ auch ein RC2-Zertifikat. 

Viele Fensterhersteller bieten Ihnen jedoch große Auswahlmöglichkeiten beim Design und der technischen Ausstattung Ihrer Fenster, wie unterschiedliche Rahmenformen, Rahmenmaterialien, Öffnungsarten etc. Aus allen möglichen Kombinationen dieser Auswahl ergeben sich hunderte oder sogar tausende mögliche Fensterausführungen. Selbst wenn jede dieser Varianten mit allen technischen Eigenschaften gemäß RC2 ausgestattet ist, erhalten sie nur ein RC2-Zertifikat, wenn jedes einzelne davon gebaut und im Prüflabor getestet wurde.

Das ist für Hersteller nahezu unmöglich. Daher testen sie lediglich einige populäre Ausstattungsvarianten. Bei allen weiteren bieten sie ’nur‘ die technische Ausstattung gemäß RC2 an. Für private Bauherren ist das in der Regel vollkommen ausreichend, denn die Zertifizierung nach RC2 bestätigt lediglich offiziell die Einbruchhemmung für genau die gewählte Ausstattungsvariante des Fensters. Weitere Vorteile, wie zum Beispiel spezielle Förderung für RC2-zertifizierte Fenster durch die KfW, gibt es in Deutschland derzeit nicht. 

Einbruchgeschützte Fenster von Finstral gemäß RC2

Der Fensterhersteller Finstral bietet alle technischen Ausstattungen, um die Voraussetzungen für eine RC2-Zertifizierung zu erfüllen, also P4A-Sicherheitsglas, abschließbare Griffe, umlaufender Sicherheitsbeschlag mit Rollenpilzkopfbolzen. Einige populäre Flügelvarianten hat Finstral zudem von unabhängigen Prüfstellen nach RC2 zertifizieren lassen, zum Beispiel FIN-Window Nova-line Kunststoff-Kunststoff und Aluminium-Kunststoff.

Da Finstral jedoch das Fenster-Sortiment mit der größten Variantenvielfalt Europas anbietet, ist es nahezu unmöglich, jede Ausführung zertifizieren zu lassen, selbst wenn immer die Möglichkeit besteht, diese mit Sicherheitstechnik gemäß RC2 oder auch noch weiteren einbruchhemmenden Eigenschaften auszustatten.

Über RC2 hinaus: Welche Merkmale Fenster einbruchhemmend machen

Die für RC2 geforderte Sicherheitsausstattung beschränkt sich auf Pilzkopfzapfenbeschläge, abschließbare Griffe und Sicherheitsverglasung (P4A). Es gibt jedoch noch einige weitere Merkmale in der Konstruktion von Fenstern, die für Einbruchhemmung sorgen.

  • Mitteldichtung statt nur Anschlagdichtung
    Bei Fensterrahmen mit Mitteldichtung sind die Beschlagteile für Einbruchswerkzeuge schwerer erreichbar. Daher sind Fenster mit Mitteldichtung einbruchhemmender als Fensterrahmen mit Anschlagdichtung.
  • Verklebte statt nur verklotzte Scheiben
    Traditionell wird das Glas in den Flügelrahmen mit einigen Klötzen eingespannt. Dadurch ist der Rahmen in sich etwas beweglich, wenn er mit einem Einbruchswerkzeug gehebelt wird. Bei modernen Fenstern wird das Glas umlaufend in den Rahmen geklebt, so dass sie zu einer fest verbundenen, steifen Einheit werden, die sich deutlich schwerer aushebeln lässt.
  • Anbohrschutz schützt Griffgetriebe
    Eine neue Masche von Einbrechern ist es, von außen durch den Rahmen in das Getriebe des Fenstergriffs zu bohren. Anschließend lässt sich der Griff auch von außen bedienen. Die Zusatzausstattung eines Anbohrschutzes schützt davor.
  • Elektronische Sensoren für die Alarmanlage
    Zum Auslösen der Alarmanlage lassen sich als Zusatzausstattung Sensoren im Fensterrahmen anbringen. Diese melden, sobald das Fenster geöffnet wird.

Finstral-Fenster sind standardmäßig mit einer Mitteldichtung und verklebten Scheiben ausgestattet. Weitere Sicherheitsausstattung kann optional ab Werk ergänzt werden.

Die Widerstandsklassen RC1 N bis RC6 im Überblick

Gemäß DIN EN 1627 wird zwischen 7 Widerstandsklassen – RC1 N bis RC6 – unterschieden. Das N steht für länderspezifische Regelungen. In folgender Tabelle lassen sich die Klassen vergleichen. Hier wird deutlich: Je höher die Widerstandsklasse ist, desto umfangreicher fällt der Schutz aus. Für den privaten Gebrauch machen in der Regel Sicherheitsmaßnahmen bis zur Widerstandsklasse RC2 Sinn.

Beschläge Fenstergriff Verglasung Widerstandszeit Einsatzort Nutzung
RC1 N Standard Standard Standardglas Nicht angegeben Obere Geschosse, Fenster sind nicht für Einbrecher erreichbar Privat
RC2 N Pilzkopfzapfenbeschläge Abschließbar Standardglas 3 Minuten Ab Erdgeschoss, bei Annahme dass kein Einbruch über das Glas stattfindet Privat
RC2 Pilzkopfzapfenbeschläge Abschließbar P4A-Verglasung 3 Minuten Ab Erdgeschoss Privat
RC3 Pilzkopfzapfenbeschläge Abschließbar P5A-Verglasung 5 Minuten Ab Erdgeschoss Privat
RC4 Pilzkopfzapfenbeschläge Abschließbar P6B-Verglasung 10 Minuten Ab Erdgeschoss Gewerblich
RC5 Pilzkopfzapfenbeschläge Abschließbar P7B-Verglasung 15 Minuten Ab Erdgeschoss Gewerblich
RC6 Pilzkopfzapfenbeschläge Abschließbar P8B-Verglasung 20 Minuten Ab Erdgeschoss Gewerblich

Häufig gestellte Fragen

Lohnt es sich, auf RC2-Fenster nachzurüsten bzw. zu investieren?

Ja, es lohnt sich nachzurüsten bzw. zu investieren. Fenster, die die RC2-Anforderungen erfüllen, verhindern ein Aufbrechen über eine Dauer von mindestens 3 Minuten.
Sie müssen jedoch nicht unbedingt nach RC2-zertifizierten Fenster suchen, um polizeilichen Empfehlungen gerecht zu werden und Ihre Fenster wirkungsvoll zu schützen.
Vielmehr empfiehlt es sich – ob nun zertifiziert oder nicht – in die entsprechenden Maßnahmen – verstärkter Beschlag, Sicherheitsglas, abschließbare Fenstergriffe – zu investieren bzw. nachzurüsten.
Bedenken Sie, dass Sie bei einer Investition in ein neues Fenster “nicht nur” einen zeitgemäßen Einbruchschutz, sondern noch viel mehr “gewinnen” können  – sei es eine perfekte Wärme- oder Schalldämmung, mehr Licht oder eine ansprechendere Optik als jene, die das alte Fenster bietet.

Warum sind Fenster der Widerstandsklassen RC4 bis RC6 nicht für den privaten Gebrauch interessant?

Die Widerstandsklassen RC4 bis RC6 unterscheiden sich insofern von den Klassen RC1 N bis RC3, dass bei ihnen eine stärkere Sicherheitsverglasung verbaut wird.
Weshalb? Die Klassen RC4 bis RC6 setzen für den Einbruch den Gebrauch von Säge, Hammer, Schlagbohrer, etc. als Einbruchswerkzeug voraus. Diese kommen in der Regel nicht im privaten Umfeld, sondern bei “erträglicheren” bzw. gewerblichen Objekten zum Einsatz.

Werden RC2 Fenster gefördert bzw. bezuschusst?

Möchten Sie für Ihre Immobilie Maßnahmen zum Einbruchschutz treffen, lohnt es sich, bei der KfW-Bank anzufragen, ob diese Ihre Investition fördert.
Das betrifft aber nicht ausdrücklich RC2-Fenster, sondern einbruchhemmende Fenster (Kredit Energieeffizient Sanieren oder Investitionszuschuss) im Allgemeinen.
Möchten Sie eine Förderung beantragen, ist demnach für eine Genehmigung kein RC2-Zertifikat notwendig.
Je nach Investition können Sie Zuschüsse von bis zu einem Betrag im unteren vierstelligen Bereich erhalten. Beachten Sie: Entsprechende Mittel müssen Sie in jedem Fall vor der Umsetzung beantragen.

Über Matthias Gottschalk
Matthias ist Verkaufsleiter bei Finstral. Er hat einen guten Draht zu seinen Kunden und spricht deren Sprache. Von Fenster/Haustüren und Wintergarteneigenschaften und -fachbegriffen kann er ein Lied singen.
Matthias Gottschalk